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Zur Geschichte und gartenhistorischen Bedeutung des Stadtparks Kronberg i. Ts.

Im Jahr 1888 verstarb nach nur 99-tägiger Regentschaft Kaiser Friedrich III. Seine Witwe Viktoria, gemeinhin "Kaiserin Friedrich" genannt, erwirbt noch im selben Jahr die Villa Reiss, nach deren Abriss sie in den folgenden Jahren das Schloss Friedrichshof sowie den dazugehörigen Schlosspark errichten lässt.

Als Geburtsjahr der Parkidee für den Stadtpark kann das Jahr 1896 angesehen werden, in dem in der Kronberger Bürgerschaft der Wunsch entstand, "in der Nähe des Schlosses Friedrichshof zur Erinnerung an unseren hochseligen Kaiser-Friedrich, unter Umgestaltung des zwischen dem Schlosse und dem Bahnhof gelegenen (...) Wiesengrundes zu einer öffentlichen Anlage, ein würdiges Denkmal zu errichten." (aus dem Protokoll einer Bürgerversammlung vom 15.11.1896 nach Wilhelm Jung, 1976)
Es wurde ein Denkmalausschuss unter Beteiligung hochgestellter Persönlichkeiten gegründet. Dieser verfolgte die Verwirklichung der Denkmals- und Parkidee, organisierte und koordinierte die Planungen und sicherte die, weitgehend aus Spenden getragene Finanzierung des Vorhabens.
 

 

Gestalt und Standort des Kaiser-Friedrich-Denkmals wurden maßgeblich von Viktoria bestimmt. Der Maler Wilhelm Süß, Mitglied der Kronberger Malerkolonie und Mitinhaber einer Majolikawerkstatt in Kronberg, fertigte einen ‘farbigen Übersichtsplan’ an. Dieser Übersichtsplan wurde am 26.4.1897 der Kaiserin Friedrich vom Denkmalsausschuss vorgestellt. Die Kaiserin gab folgende Anregungen: "1. Als Denkmalsplatz wird ein Punkt zu wählen sein, der von allen Seiten frei erscheint. 2. Die Gestalt des Denkmals muss derartig sein, dass sie der unvergleichlich schönen Natur in keiner Weise untreu wird oder wehe tut." (zitiert nach Jung 1976).

Der daraufhin mit dem Entwurf des Denkmals beauftragte Architekt Ernst Eberhardt von Ihne aus Berlin, Hofbaurat und Mitglied der Preußischen Akademie des Bauwesens, legte seinen Entwurf im Dezember 1900 vor. Nachdem sie bereits zuvor den endgültigen Standort des Denkmals festgelegt hatte, nahm die Kaiserin Friedrich nochmals Einfluss auf die endgültige Gestaltung des Denkmales ihres verstorbenen Mannes. Ihr mit eigenhändigen Skizzen veranschaulichter Vorschlag lief vor allem auf eine größere Einfachheit des Denkmals hinaus.

Die Kaiserin schlug u.a. vor, den architektonischen Hinterbau zu vereinfachen, auf eine Treppenanlage und die Errichtung einer rückwärtigen Balustrade zu verzichten. Weiterhin wünschte sie die Anbringung eines dekorativen Wasserausgusses in Muschelform vorn an der Mauer, welche das Denkmal abschließt. Das vom Denkmal abfließende Wasser sollte sich "als natürlicher Bach, vielleicht ab und zu überbrückt, durch die Wiesen nach dem kleinen Teich ziehen" (dargestellt nach Jung 1976). Die Wünsche der Kaiserin wurden weitgehend berücksichtigt, so dass das Denkmal stark durch ihre Vorstellungen geprägt wurde. Am 20. August 1902 wurde das Kaiser-Friedrich-Denkmal unter Beteiligung Kaiser Wilhelms II in einer aufwendigen Enthüllungsfeier eingeweiht. Im Stadtarchiv finden sich noch die Konstruktionspläne für die verschiedenen im Park aufgebauten Tribünen sowie für das eigens errichtete Kaiserzelt.

Nach der Fertigstellung und Einweihung des Parks löste sich der Denkmalsausschuss auf, Denkmal und Park wurden in die Obhut der Stadt Kronberg übergeben.

Parkentwicklung seit 1902, Überblick

Bau des Schillerweihers
zwischen 1904 u. 1908

1908 Einweihung des Burgerdenkmales

1912 Umgestaltung des Pfingstbrünnchens in der heute noch vorhandenen Form

1913 Aufstellung des Gedenksteins zur Völkerschlacht von Leipzig, wahrscheinlich gleichzeitig Pflanzung der darüber stehenden Eiche

1918 Entfernung der Büsten von Kaiser Wilhelm II. und des Großherzogs von Baden

1928 Aufstellung des Turnvater-Jahn-Gedenksteines und Pflanzung der Jahneiche

Anlage der ersten drei Tennisplätze im Park

1947 Verhinderte Sprengung des Kaiser-Friedrich-Denkmales, Bau einer provisorischen Freilichtbühne

1948 Ausbau der Freilichtbühne zur dauerhaften Einrichtung

1954 Umgestaltung des Kaiser-Friedrich-Denkmales (u.a. Entfernung der Balustrade am Aufgang, Verfüllung des großen Wasserbeckens und Bepflanzung)

Bau zweier neuer Tennisplätze

1956 Abriss der Freilichtbühne

1962 Erweiterung des benachbarten Golfplatzes, dadurch notwendige Verlagerung des nach Norden führenden Weges zur Hainstraße

1974 o. 1975 Aufstellung der Schale zum Gedenken von Mathilde von Guaita

1987-1997 verschiedene Sanierungsarbeiten, u.a. am Kaiser-Friedrich-Denkmal, am Burger-Denkmal, am Kannengießer-Tempel und am Pfingstbrünnchen

Einordnung in den gartengeschichtlichen Zusammenhang

Der Kronberger Park entstand in einer Zeit des Umbruchs gartenarchitektonischer Stile. Er orientiert sich noch stark an den Formen des englischen Landschaftsgartens, für den er aufgrund der vorgefundenen Landschaftsform geradezu vorbestimmt erscheint.

Den Tendenzen der Zeit entsprechend und sicherlich durch die engen Verbindungen der Kaiserin Friedrich mit England begünstigt, fand eine große Zahl exotischer Gehölzarten Eingang in den Park.

Obwohl von seinen Initiatoren als ein der Öffentlichkeit zugänglicher Park gedacht, kann nicht von einer Volksparkanlage gesprochen werden. Der Park sollte der Gründungsidee entsprechend vor allem dem Gedenken Kaiser Friedrichs III dienen, eine Nutzung war in Form stiller Erbauung, Wandelns und dem Genießen von Ausblicken gedacht.

Die Wiesen wurden landwirtschaftlich genutzt, was mit der Idee des Landschaftsparks, die genutzte Landschaft in die Bemühungen zur Landschaftsverschönerung einzubeziehen, übereinstimmt. Deshalb war eine für den Volkspark typische Nutzung von Wiesen für Erholungszwecke nicht möglich. Jung (1976) berichtet, dass der Parkwächter Weigand ein Betreten der Wiesen nicht zugelassen habe.

Der Kronberger Stadtpark ist somit eher als später Landschaftspark zu bezeichnen, wenngleich in ihm lediglich die Formensprache des Landschaftsgartens zitiert wird, die geistigen Ansprüche und Hintergründe des englischen Landschaftsgartens aber keine Rolle mehr spielen. Die Ausrichtung des Parks auf das Kaiser-Friedrich-Denkmal ist dabei eine Besonderheit und Eigentümlichkeit der Kronberger Anlage, die sicherlich auch im Widerspruch zu den aufklärerisch-liberalen Ideen des Landschaftsparks steht.

Einer gesonderten Betrachtung müssen die mit dem Bau der Tennisplätze, des Minigolfgeländes und des Spielplatzbereiches verbundenen großen Veränderungen der ursprünglichen Parkgestalt unterzogen werden.

Hierbei wurden unter dem Druck gewachsener Nutzungsansprüche und unter dem Einfluss der Volksparkidee neue flächenintensive Nutzungen in den Stadtpark eingeführt. Anders als in den großen Volksparkanlagen waren diese aber nicht von vornherein vorgesehen und in ein Gesamtkonzept eingearbeitet, sondern wurden einem nach anderen ästhetischen Vorbildern ausgerichteten Park später hinzugefügt.

Kulturhistorische Bedeutung

Die Kronberger Parkanlage ist schon vom Anspruch her nicht als eine herausragende Anlage einzustufen. Sie diente zuvorderst dem Gedenken an Kaiser Friedrich III, dessen Denkmal eine zentrale Stellung im Park einnimmt. Ansonsten sollte vor allem die vorzufindende, als herrlich empfundene Landschaft ihre Wirkung tun. Es wurde weder die Schöpfung eines Gartenkunstwerkes noch die Anlage eines sozial und funktional anspruchsvollen Parkanlage angestrebt. Dies lässt sich auch am Fehlen eines Gestaltungsplanes für den Gesamtpark ablesen. Nur für das Kaiser-Friedrich-Denkmal und weitere Schmuckbereiche liegen Detailpläne vor. Gartenarchitekten wurden lediglich zur Beratung von Einzelfragen herangezogen.

Wenn der Kronberger Park auch nicht als Gartenkunstwerk von herausragender kulturhistorischer Bedeutung eingestuft werden kann, so finden sich in der ursprünglichen Gestaltung des Parks doch mehrere Elemente, die ihm eine auch über die Kronberger Ortsgeschichte hinausgehende Bedeutung zuweisen.

Quellen

Jung, Wilhelm:
‘50 Jahre Kaiser-Friedrich-Denkmal und Stadtpark Kronberg’; Taunus Zeitung / Kronb. Heimatbote v. 23.8.1952
‘Unser Kaiser-Friedrich-Denkmals-Park’; Taunus-Zeitung / Kronberger Heimatbote vom 18.5.1965
‘Frühlingsgedanken am Denkmal im Park’; Taunus-Zeitung / Kronberger Heimatbote im Frühjahr 1968
‘Der bekränzte Kaiser Wilhelm’; Taunus Zeitung / Kronberger Heimatbote am 25.9.1974, S. 11
‘Heimatliches Allerlei - Ab Anno dazumal im Mai’, im Selbstverlag, Kronberg 1976
‘Kronberg von A bis Z’; Altkönig-Verlag, Oberursel 1982
Jung, Wilhelm / Rosenbohm, Rolf (o.J.):
‘Der Kronberger Dinghof oder das Höfische Gericht zu Schönberg’, Aufsatz, Kronberg

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